Volkstrauertag 2022 in Hambrücken

Nach zwei Jahren coronabedingter Improvisation konnte der diesjährige Volkstrauertag endlich wieder in würdiger und angemessener Form begangen werden. Nach der Begrüßung und dem Totengedenken durch Bürgermeister Dr. Marc Wagner mahnte die Zeitzeugin und inzwischen älteste Mitbürgerin Hambrückens, Frau Erika Albrecht mit ihren Gedanken zum Volkstrauertag eindrucksvoll zum Frieden. Im Anschluss sprach Pastoralreferent Michael Böser das Gebet.
Abschließend legten Bürgermeister Dr. Marc Wagner und StFW Nandi Arend vom Landeskommando Baden-Württemberg zum Gedenken an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft zusammen zwei Kränze nieder.
Feierlich umrahmt wurde der Volkstrauertag von den Akkordeonfreunden Reinklang unter Leitung von Frau Beate Brenner.  
Vielen Dank an alle Beteiligten für ihre Mitwirkung!

Totengedenken des Bürgermeisters Dr. Marc Wagner
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben
verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind.
Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern,
und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

„Gedanken zum Volkstrauertag“ von Frau Erika Albrecht
Verehrte Zuhörer, 
„Gedanken zum Volkstrauertag“ –
so steht es im Programm für den heutigen Gedenktag.
Die Corona-Pandemie verhinderte öffentliche Zusammenkünfte, ließ aber diesen besonderen Tag der Erinnerung nicht in Vergessenheit geraten. Noch habe ich als Zeitzeugin eine Stimme und als Kriegskind Erinnerungen, die niemals aus dem Gedächtnis verschwinden. Selbst 80 Jahre Frieden lassen die erlebten Schrecken nicht vergessen.
Ich lebte damals unweit von Hamburg an der Elbe. Als am 1. September 1939 Hitler Polen überfiel und damit der Zweite Weltkrieg begann, war ich 14 Jahre alt. Der Krieg war weit weg, aber wir spürten recht bald die Veränderungen. Die Fenster mussten verdunkelt werden, Luftschutzkeller bekamen Deckenverstärkungen, Notfallkoffer wurden gepackt, und Lebensmittelmarken wurden eingeführt; Schuhe und Bekleidung waren nur über Bezugsscheine zu bekommen. Alles wurde rationiert. 
Der Krieg kam näher und die Fliegeralarme heulten bald jede Nacht. 
„Gefallen für Großdeutschland“ 
stand auf immer mehr zurückkommenden Feldpostbriefen. Mütter verloren ihre Söhne, Frauen ihre Männer und Familien ihre Väter.
Die Not war groß,
die Trauer UNERMESSLICH!
Göbbels, der Propagandaminister, hatte den totalen Krieg ausgerufen, und der kam in aller Härte!
Die feindlichen Bomber zerstörten eine Stadt nach der nächsten; kein Stein blieb stehen, bis unser Deutschland nur noch Schutt und Asche war. Hamburg brannte drei Tage und Nächte, und die noch glühenden Fetzen flogen über unser von Brandbomben getroffenes Haus.
Das war der totale Krieg!
Hinter den Drahtglasfenstern lebten Trauer und Verzweiflung. 
Dazu kamen Vertriebene, Verfolgte, Verwundete, Ausgebombte und Heimatlose.
Der Volkstrauertag schließt sie alle ein in unser Gedenken. Ungezählte haben gelitten, sind gestorben im Glauben an den Frieden und die Freiheit. 
Und sie waren doch noch so jung!
Nach sechs bitteren Jahren Krieg nahm sich der große Führer Hitler das Leben und ließ sein Volk in Trümmern zurück.
Das stolze Großdeutschland war zerbrochen! Die Sieger teilten es in vier Besatzungszonen ein und in vielen erbärmlichen Unterkünften zogen Hunger und ... ein!
„Nie wieder Krieg!“
Wir hatten es geschworen. Hoffen wir, dass in den Köpfen der Mächtigen Menschlichkeit und Vernunft Platz finden werden!
Danke!